Eure Fragen, unsere Antworten: Wie man Seegras als Dämmung verwendet
Vincent von Build Blue
Häufig erreichen uns sehr konkrete Fragen zu euren Bauvorhaben. Bauen ist sehr individuell und jedes Vorhaben, jede Materialzusammensetzung und Historie stellen andere Rahmenbedingungen für die Durchführung sowie die Materialwahl.
Um den Fragen möglichst aussagekräftige Tendenzen zu geben, haben wir uns entschieden, hier Antworten auf Fragen zu geben, die uns gestellt werden.
Hierzu halten wir Rücksprache mit einer Bauspezialistin, welche uns eine erste Einschätzung zu den gestellten Fragen gibt. Bitte beachte: Ohne Begutachtung durch Spezialisten lassen sich keine verbindlichen Empfehlungen geben. Bitte verstehe deshalb unsere Antworten als Inspiration in der Begutachtung deiner persönlichen Baustelle
Die Fragen inklusive Antworten sind zum Aufklappen: Klicke auf die Frage, die dich interessiert und lasse dir dir alles anzeigen.
Samira fragt:
Ich plane den Bau eines Hauses in Holzrahmenbauweise. Wie berechne ich, wie viel Dämmmaterial ich für meine Wände benötige?
Beispielrechnung: Wie viel Seegras brauche ich für eine Holzrahmenwand?
Damit besser nachvollziehbar wird, wie sich die benötigte Menge an Seegras berechnet, hier ein konkretes Rechenbeispiel für eine typische Wandkonstruktion im Holzrahmenbau.
Annahme:
Holzrahmenbau ohne Fenster
Gefachtiefe / Wandstärke: 20 cm (0,20 m)
Raumhöhe: 2,50 m
Grundriss:
2 Wände à 8,00 m
2 Wände à 5,60 m
Dämmung als Stopfmaterial (Driftstuff)
Zuschlag für unvorhergesehenes: 10 %
1. Wandflächen berechnen
Lange Wand:
2,50 m × 8,00 m = 20 m²Kurze Wand:
2,50 m × 5,60 m = 14 m²
Gesamtwandfläche:
(20 m² + 14 m²) × 2 = 68 m²
2. Volumen der Dämmung ermitteln
Wandfläche × Wandstärke:
68 m² × 0,20 m = 13,6 m³
Zuzüglich 10 %:
13,6 m³ + 10 % ≈ 15,0 m³
3. Gewicht berechnen
Für Stopfmaterial rechnen wir mit einer Einbaudichte von ca. 60 kg/m³.
Formel:
Masse = Volumen × Dichte
15 m³ × 60 kg/m³ = 900 kg
Das entspricht ca. 0,9 Tonnen Seegras.
Fazit
Für dieses Beispielprojekt würden wir empfehlen, rund 900 kg Stopfmaterial einzuplanen.
Je nach Bauweise, Unterkonstruktion und Detailausbildung kann die Menge leicht variieren – für eine erste, realistische Kalkulation ist diese Rechnung aber sehr gut geeignet.
Marius fragt:
ich möchte bei unserer Sanierung Seegras an verschiedenen Stellen einsetzen. Zum stopfen/oder einblasen in die neue Vorsatzfassade, In den 5cm Kern auf einer Fassadenseite, in abgehangene Decken und zwischen die Balken für den neuen Fußbodenaufbau.
Unsere Einschätzung:
Da es sich offenbar um mehrere Bauvorhaben handelt, müssten die einzelnen Bereiche getrennt betrachtet werden.
Vorsatzfassade
Hier wäre zunächst wichtig zu wissen:
welche Art von Fassade geplant ist
wie der Wandaufbau hinter der Vorhangfassade aussieht
Entscheidend ist, dass der Aufbau nicht absperrend wirkt. Materialien oder Schichten, die zu dicht sind, können die Rücktrocknung verhindern.
Ein funktionierender Aufbau sollte:
diffusionsoffen sein
Rücktrocknung ermöglichen
gleichzeitig schlagregensicher ausgeführt werden, sodass kein direkter Wassereintrag durch Regenereignisse stattfindet
Abgehängte Decken
Auch hier brauchen wir mehr Informationen:
welche Beplankungsmaterialien eingesetzt werden
welche Klimata in den Räumen zu erwarten sind (z. B. Wohnraum, Bad, unbeheizt)
Diese Punkte beeinflussen die Materialwahl und den geeigneten Aufbau deutlich.
Schüttung
Als Schüttung ist Seegras grundsätzlich sehr gut geeignet, insbesondere für horizontale Bauteile. Wichtig ist:
der trockene Einbau
vorhandene Feuchtschäden vorab zu klären und zu beheben – diese sollten nicht einfach überdeckt werden
Sven fragt uns:
Ich baue an der Küste ein Ferienhaus und wollte die Wände mit Zellulose ausblasen. Ich habe euren Bericht bei NDR gesehen. Nun kann ich mir vorstellen das Seegras zu verwenden. Freue mich von euch zu hören.
Unsere Einschätzung:
So wie Du es beschreibst, klingt es nach einem Neubau in Holzrahmenbauweise – das ist grundsätzlich sehr gut mit unserem Material umsetzbar.
Lutz fragt uns:
Hallo Buildblue Team,
Ich plane die Wände im 1. OG einer Scheune nachträglich zu dämmen. Die Wand besteht außen aus Bitumenwellplatten die auf eine Holzverschalung genagelt sind. Die Holzverschalung weist verschiedene Spalten auf. Die Bitumenwellplatten sind dicht gegen Schlagregen. Die Innenseite der Wand soll aus OSB Platten ohne Nut und Feder stumpf gestoßen werden. Jetzt bin auf der Suche nach einer Füllung für den im Fachwerk entstehenden Hohlraum.
Benötigt man wie bei anderen Dämmstoffen eine Dampfsperre bei Seegras?
Durch die Lage der Scheune fünf bis 7 Meter von einem Bach entfernt haben wir eine hohe Luftfeuchtigkeit. Die Scheune hat auch noch keine Zwischendecke als Raumabschluss zum Dach hin. Das Dach ist eine ungedämmtes Betonziegel Dach. Das 1. OG wird als Werkstatt genutzt.
Was gilt es zu beachten?
Unsere Einschätzung:
Nutzung der Scheune – ein entscheidender Ausgangspunkt
Bevor es um den konkreten Dämmaufbau geht, lohnt sich ein kurzer Blick auf die geplante Nutzung der Scheune. Soll sie weiterhin als Lager dienen – oder perspektivisch zu Wohnraum werden?
Beides ist möglich, stellt jedoch unterschiedliche Anforderungen an den Aufbau.
Grundsätzlich eignet sich Seegras sehr gut als Dämmfüllung in Wänden, auch im Bestand. Entscheidend ist dabei weniger das Material selbst, sondern der bauliche Rahmen, in den es eingebettet wird.
Der richtige Aufbau: offen statt abgesperrt
Aus unserer Erfahrung heraus ist ein winddichter, aber diffusionsoffener Aufbau ideal. So bekommt vorhandene oder saisonal entstehende Feuchtigkeit die Möglichkeit, über das Jahr hinweg wieder auszutrocknen.
Temperaturwechsel, Luftbewegung und auch die Sonneneinstrahlung unterstützen diesen natürlichen Prozess.
Ein vollständiges „Absperren“ der Konstruktion ist in der Regel nicht zu empfehlen. Auch eine vollflächig verlegte Bitumenbahn verhindert die Rücktrocknung – Feuchtigkeit, die einmal im Bauteil ist, bleibt dort gefangen. Gerade bei älteren Scheunen kann das langfristig zu Problemen führen.
Feuchtigkeit & Rücktrocknungspotenzial
Je nach geografischer Lage ist eine gewisse Auffeuchtung kaum zu vermeiden – etwa durch Schlagregen, hohe Luftfeuchte oder Temperaturschwankungen.
Hier spielt Seegras seine Stärke aus: Das Material kann Feuchtigkeit puffern und bei passenden Bedingungen wieder abgeben. Dieses Rücktrocknungspotenzial macht es besonders robust für Gebäude im Bestand.
Holzunterkonstruktion & Details
Ein Punkt, der früh mitgedacht werden sollte, sind Spalten in der Holzunterkonstruktion – insbesondere mit Blick auf den Nagetierschutz. Diese lassen sich konstruktiv gut lösen, sollten aber Teil der Planung sein.
Am Ende gilt: Ein durchdachter, offener Aufbau funktioniert oft besser als eine maximal abgedichtete Konstruktion. Wenn Material, Nutzung und Bauphysik zusammenspielen, entsteht ein dauerhaft gesunder und funktionaler Dämmaufbau.

