Seegrasdämmung in der Praxis: drei Referenzprojekte
Vincent von Build Blue
Seegras klingt für viele nach Experiment. Diese drei Projekte zeigen, wie der Baustoff tatsächlich eingesetzt wird – vom kleinen Gemeinschaftsschuppen über Ferienhäuser am Wasser bis zu 550 Quadratmetern Dachboden. Unterschiedliche Gebäude, unterschiedliche Einbauarten, ein Material.
Projekt 1: Der Männerschuppen auf Poel
Der Männerschuppen Poel ist Werkstatt und Treffpunkt für Männer aller Altersgruppen. In einem alten Werkstattgebäude in Wangern entstand mit viel Eigeninitiative ein Ort für Handwerk und Begegnung.
Die Ausgangslage
Einer der Räume der Werkstatt sollte neu gedämmt werden, damit er auch in der kalten Jahreszeit nutzbar bleibt. Gedämmt wurde der Boden.
Wie gedämmt wurde
Gedämmt wurde der Boden mit einer losen Schüttung. Das Seegras wurde in die Hohlräume zwischen den Lagerhölzern gefüllt und glatt abgezogen – keine Maschinen, keine Spezialgeräte, nur Hände, Eimer und Motivation. Das Material lässt sich gleichmäßig einbringen, verrutscht nicht und braucht keine aufwendige Schutzkleidung.

Damit wurde aus dem Dämmen selbst ein Gemeinschaftsprojekt. Wer schon einmal mit Glaswolle gearbeitet hat, weiß, warum das ein Unterschied ist: kein Jucken, kein Atemschutz, keine Reizung.
Projekt 2: Bootshäuser an der Peene

Direkt am Wasser, zwischen schaukelnden Booten und der Flusslandschaft der Peene, stehen mehrere Bootshäuser im Schwedenstil. Lange dienten sie nur als Unterstand für Boote und Angelausrüstung. Die neuen Eigentümer wollten daraus behagliche Ferienhäuser machen – nachhaltig und mit maritimem Charakter.
Die Herausforderung
Innen einfache Holzbohlen, außen eine klassische Holzfassade. Für kurze Aufenthalte reichte das, für längere Urlaube fehlte jede vernünftige Dämmung. Erschwerend kam die Konstruktion hinzu: ein Holzständerwerk mit engen Winkeln und kleinen Nischen, in denen Dämmmatten kaum sauber sitzen.

Wie gedämmt wurde
Die Fassade wurde komplett geöffnet, sodass die Hohlräume zwischen den Holzpfosten zugänglich waren. Die vorhandene Glaswolle wurde entfernt und durch Seegras ersetzt: in 14 Zentimetern Stärke sorgfältig eingestopft. So entstand eine durchgängige, fugenfreie Dämmschicht.
Von außen schloss eine MDF-Platte die Dämmebene ab. Darauf kamen Latten als Basis für die neue Fassade: eine Bodendeckelschalung aus unbehandelter Lärche. Der ursprüngliche Charme blieb erhalten, energetisch stehen die Häuser auf einem ganz anderen Niveau.

Das Ergebnis
Angenehme Temperaturen im Sommer wie im Winter und ein gesundes Raumklima. Das Rückmeldung der Eigentümer: der wunderbare Duft, die kinderleichte Verarbeitung – und keine piekenden Arme wie bei der alten Glaswolle.
Projekt 3: 550 Quadratmeter Dachboden am Schweriner See

Ein Ehepaar am Schweriner See wollte seinen Dachboden mit einem Naturmaterial dämmen. Die Suche war zäh: Über Jahre versuchten sie, Seegrasdämmung aus Dänemark zu bestellen – und bekamen schlicht keine Antwort. Über Build Blue fanden sie schließlich einen Anbieter direkt von der Ostseeküste.
Die Eckdaten
- Fläche: 550 m² ungenutzter Dachboden über beheizten Räumen
- Material: rund 70 Kubikmeter Wavefill-Schüttung
- Kosten: etwa 9.500 Euro netto
- Einbau: in Eigenleistung, von Hand
Wie gedämmt wurde
Das Material wurde zwischen die vorhandenen Deckenbalken gefüllt und mit einem Brett glatt abgezogen – mit Eimer und Rechen, ohne Maschinenpark. Wichtig dabei: Seegras darf nicht zusammengepresst werden, weil die eingeschlossene Luft für die Dämmwirkung sorgt.

Weil das Paar selbst geschüttet hat, entfielen die Handwerkerkosten vollständig. Die NDR-Reportage vom Dezember 2025 hat das Projekt begleitet.

Lässt sich sehr gut verarbeiten. 1A Ware!
Rückmeldung der Bauherren vom Schweriner See
Was die drei Projekte gemeinsam haben
So unterschiedlich die Gebäude sind – Werkstatt, Ferienhaus, Wohnhaus – drei Dinge wiederholen sich in jedem Projekt:
- Eigenleistung war möglich. In allen drei Fällen haben die Bauherren selbst mit angepackt. Seegras verzeiht Ungenauigkeiten und braucht kein Spezialwerkzeug.
- Die Verarbeitung wurde als angenehm beschrieben. Kein Jucken, kein Atemschutz, in zwei von drei Rückmeldungen wurde ausdrücklich der Vergleich zur Glaswolle gezogen.
- Die Einbauart richtete sich nach dem Gebäude, nicht umgekehrt. Schüttung auf der Geschossdecke, Stopfen im Ständerwerk – dasselbe Material, zwei Verfahren.
Was du daraus für dein eigenes Vorhaben mitnehmen kannst: Die Frage ist selten, ob Seegras passt, sondern welche Form die richtige ist. Eine Übersicht der Produkte und Kennwerte findest du auf unserer Seite zur Seegrasdämmung, die konkreten Kosten haben wir im Beitrag Was kostet es wirklich, den Dachboden zu dämmen? durchgerechnet.
Häufige Fragen zu Referenzprojekten
Kann ich Seegras selbst einbauen?
Ja. In allen drei Projekten haben die Bauherren selbst gearbeitet. Als Schüttung braucht es nur Eimer, Rechen und ein Brett zum Abziehen. Nur die maschinelle Einblasdämmung erfordert einen Fachbetrieb mit Einblasgerät.
Eignet sich Seegras auch für Holzständerwerk?
Ja. Bei den Bootshäusern an der Peene wurde Seegras in 14 cm Stärke in die Gehächer gestopft. Gerade bei engen Winkeln und kleinen Nischen ist Stopfdämmung im Vorteil, weil sie fugenfrei anliegt.
Kann Seegras alte Glaswolle ersetzen?
Bei den Bootshäusern wurde die vorhandene Glaswolle entfernt und durch Seegras ersetzt. Wichtig ist, dass die Konstruktion trocken ist und bleibt.
Wie lange dauert so ein Projekt?
Das hängt von Fläche und Zugänglichkeit ab. Eine offene Geschossdecke ist in wenigen Tagen gemacht, eine geöffnete Fassade mit neuem Aufbau dauert deutlich länger. Plane die Materiallieferung frühzeitig ein.
Hinweis: Die Informationen in diesem Beitrag erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und dienen der ersten Orientierung. Sie ersetzen keine individuelle Beratung durch einen Fachplaner, Energieberater oder Handwerksbetrieb. Für dein konkretes Bauvorhaben sollte die Ausführung fachlich geprüft werden.

